Fahrzeuge des Vereins Dampfbahn Bern

Dampflok E 3/3 Nr. 1 "LISE" ehemals Gaswerk der Stadt Bern

Baujahr

1908

Fabriknummer 1901 SLM
Dienstgewicht 34.5 t
Leergewicht 26.0 t
Wasservorrat 4.2 m3
Kohlevorrat 1.7 t
Länge 8.46 m
Leistung 500 PS
Höchstgeschwindigkeit 45 km/h
Heimatdepot Laupen

Foto © DBB

Bis 1968 beim Gaswerk der Stadt Bern als Werklokomotive im Einsatz.

Bis zur Eröffnung der "Gasbahn" im Jahr 1909, welche das Gaswerk der Stadt Bern im Marzili mit der Station Wabern der Gürbetalbahn verband, wurden die zur Gasproduktion benötigten Kohlen (Jahresbedarf 20'000 Tonnen) mit Pferdefuhrwerken vom Bahnhof zum Werk geführt.

Als Triebfahrzeug für die neue 2,5 km lange und bis zu 35 o/oo steile Werkbahn wurde bei der SLM Winterthur eine Tenderlok E 3/3 (Typ "Tigerli") bestellt.

Die Aufgabe der Dampflok war es, die beladenen Kohlenwagen in Wabern abzuholen, im Werk zu den Entladestellen zu führen und mit den leeren Wagen wieder nach Wabern hinaufzudampfen. Der bei der Gasherstellung anfallende Koks wurde in der Regel anfänglich mit Pferdefuhrwerken, später mit Autos an die Abnehmer ausgeliefert.

1952, exakt am Tag der Krönung von Queen Elisabeth II. von England, nahm der legendäre Ernst Haefeli als Lokführer den Dienst auf der Gaswerkloki auf. Zur Feier des Tages taufte er seine "Gaswerk-Queen" auf gut bernisch "Lisebethli". Irgendwann einmal gingen dann die letzten zwei Silben des Namens verloren - die Lok hatte wohl ihre Bedienungsmannschaft genarrt oder geärgert - und aus dem "Lisebethli" wurde kurz und bündig die "Lise". Unter diesem Namen verkehrt sie heute noch.

Ab 1961 erhielt die "Lise" Konkurrenz durch eine moderne Diesellok, den "Mutz". Die Dampflok stand zwar immer noch betriebsbereit als Reserve in der Remise, den strengen Rangierdienst aber verrichtete nun der "Mutz". Ab und zu aber, wenn dieser in Revision oder sonstwie unpässlich war, wurde die "Lise" wieder angeheizt und durfte sich auf den Werksgeleisen nützlich machen.

1967/68 wurde die Gasproduktion im Gaswerk Bern eingestellt, der nicht mehr benötigte "Mutz" an die Sihltahlbahn verkauft, und die "Lise" sollte verschrottet werden. Am Wabern-Dorffest 1968 dampfte sie ein letztes Mal zur Freude vieler Passagiere mit zwei meist vollbesetzten Personenwagen zwischen Wabern Station und dem Gaswerkareal hin und her. Einigen hartnäckigen WIFAG-Lehrlingen gelang es, den Gemeinderat der Stadt Bern zu überzeugen, dass die Dampflok erhalten bleiben müsse. So kaufte die Stadt Bern die Lok dem Gaswerk ab und übergab sie diesen Lehrlingen zur Revision.

Der Grundstein für die Gründung des Vereins Dampfbahn Bern (DBB) war gelegt! Nach ihrer Revision wurde die "Lise" in Laupen auf der Sensetalbahn stationiert, von wo sie ab 1971 regelmässig für Dampf-Extrafahrten eingesetzt wird. Im Jahr 1993 schenkte die Stadt Bern die "Lise", die bis dahin nur als Leihgabe zur Verfügung gestanden hatte, der DBB.


© copyright Verein Dampfbahn Bern - Switzerland. Diese Webseite wurde aktualisiert am Samstag, 10. Januar 2009